⌂ Igor Korol

Malerei nach Intuition, Skulptur als Recycling & Bildskulptur als meine Markenzeichen!

Igor Korol, Jahrgang 1975. Geboren und aufgewachsen in Basel, in der Schweiz. Ich arbeite und lebe in der Region Basel. Kontakt:

Mail: igorkorol@gmx.ch / Facebook: Igor Korol / Instagram: https://www.instagram.com/igor._.korol/

Text von Igor Korol

„Ich öffne mich dem Gefühl, dann ist die Eingebung federführend.“

Viele Zusammenhänge ergeben für mich Kunst. Der Verstand, also Denkprozesse basierend auf Logik, können einen grossen Teil übernehmen. Den grösseren Teil übernimmt bei mir das Gefühl welches unabhängig vom Verstand eigene Prozesse durchläuft. Diese grosse „Gefühlsmathematik“ ist in der Lage sämtliche Aufgaben auf eine spannende Art und Weise zu überblicken ohne dass der Verstand mithalten kann. 

Das Gefühl, oder nennen wir es anders, der Instinkt und wieder anders, die Eingebung, gibt bei meinem Vorgehen den Takt an. Die Eingebung spielt bei jeder gesetzten Farbe oder Form und den unzähligen, zukünftigen Chancen und Varianten die Hauptrolle. Ich öffne mich dieser, bediene mich ihrer, lasse diese geschehen, ich führe aus und erschaffe zu sichtbarem.

Meiner Ansicht nach ist dieser Moment und die Hingebung an diesen kreativen Moment das Schöne beim Erschaffen, oder vielmehr beim Entdecken von Kunstvollem. Nur das Gefühl hat die Kapazität, in Zusammenarbeit und dem Verstand helfend, diesem vorgesetzt, mittels tiefstem gegenseitigem Vertrauen, dies für mich zufriedenstellend zu tun.

Die Hingabe, das Loslassen und Beobachten während dem Kreieren, ohne „reines“ Denken, ohne das ausschliessliche, vorgelagerte Nutzen des Verstandes, ohne erzwungene Lösungssuche, dort setze ich an. Mittels Verstand wäge ich wiederum ab, gezielter oder offener, welche der gegebenen Möglichkeiten umgesetzt wird. Dies alles läuft in Sekundenschnelle ab. Es basiert auf Vertrauen, Erfahrung und völliger Hingabe. Im Inneren entsteht eine Harmonie während des Geschehens, welche sich hoffentlich in der Ausführung widerspiegelt.

Malerei

Eine wichtige Erkenntnis, mein eigenes, abstraktes Malen betreffend ist, dass die Stärke der abstrakten Malerei für mich darin liegt, dass diese sich gänzlich auf den Ausdruck von Gefühlen konzentrieren kann. Während sich die figurative Darstellung, zuerst auf das gezeigte Motiv im Vordergrund und dann auf den Ausdruck, die individuelle Definition dessen, zu fokussieren hat, darf die abstrakte Malerei, wie in meinen Bildern, von Anfang an dem Gefühl, der Intuition und der Eingebung zuträglich sein.

Spuren auf unterschiedlichen Maluntergründen, Falten auf Leinen z. Bsp., oder auch Risse auf alter Jute dienen mir als Ausgangspunkt. Auf diese bereits vorhandenen Spuren, auf diese Linien und Räume, auf diesen Leitfaden reagiere ich. Es kann auch nur ein Hauch von einer Spur sein. Ich suche, finde und erschliesst mir immer als erstes einen Ausgangspunkt.

Auf diese Art und Weise fängt aus einem bestehenden Momenten eine Geschichte an. Geleitet von Intuition kommt Farbe in Form gegossen dazu. Stück für Stück erbaut, ermalt sich ein Bild ganz von selbst. Farbe für Farbe, Fläche für Fläche, zeichnet sich ihren Weg bis zum Schluss eines Bildes. 

Bei meinen Bildern wird eine Fläche auf der Leinwand, oft nur einmal mit Farbe bemalt. Jeder Strich bleibt genau so stehen wie er direkt gesetzt wurde. Die Komposition entsteht also in einem Wurf. Dies rührt vom völligen Vertrauen in die Eingebung her, welche bei jedem noch so kleinen Strich mitredet und mir die Arbeit leicht macht. Das öffnen diesen und das entdecken dieser Prozesse hingegen war eine lange und spannende Reise. 

Ölpastellkreide, Ölstifte oder Oelfarbe benutze ich zum malen. Auch direkt aus der offenen Tube, wie einen Stift, nutze ich die Oelfarbe. Der zeichnerische Kontakt mit dem Medium Leinwand, was bei den Stiften direkter ist als mit dem Pinsel und die damit verbundene haptische Komponente, entsprechen mir gut. Dieses sinnliche Schaffen korrespondiert wunderbar mit dem loslassen und der völligen Hingebung an die Eingebung während dem Malen.

Eine Eigenheit von mir ist, dass ich meine benutzten Farben verwende bis kein Stück mehr übrig ist. Erst wenn praktisch absolut keine Farbe mehr vorhanden ist besorge ich neue Farben. Es kann also sein das eine Ölpastellkreide bis zur Grösse von einigen Millimetern, eigentlich so lange verwendet wird, bis gar nichts mehr übrig ist. Wenn sie verbruacht ist, wird sie nicht ersetzt durch eine selbibe. Das ist dann einfach so, diese Farbe kommt ab dort nicht mehr in diesem Bild vor.

Es gibt für mich keine Farbe die unbedingt nötig ist. Im Gegenteil, ich reagiere auf jede vorhandene Farbe mittels Intuition und Idee und überbrücke so die Schwierigkeit die sich stellt, vorhandenes einzubauen ohne Abstriche zu machen. Jede Farbe lässt sich in harmonischen Zusammenhang mit jeder beliebigen anderen Farbe setzten. Das Entscheidende ist, um welche Farbe es sich handelt und in welche Form sie gelegt, in welche Form sie gegossen wird im Verhältniss zur benachbarten oder entgegengesetzten Farbe. 

Ich reagiere mit der passenden Form, Grösse, Stärke und Dichte jeder gesetzten Farbe auf die bereits zuvor gesetzte Farbe um so das passende Mass für jede Situation zu finden. Je mehr Flächen aufeinander treffen desto mehr Einfluss kommt in das Geschehen. Hier ist die Intuition federführend und bei schneller Arbeitsweise, wie der meinen, ein unerlässlicher Helfer.

Die reizvolle Herausforderung, vorhandene Farbe konsequent zu nutzen, nehme ich aus Überzeugung an, auch mit dem Hintergedanken der Ressourcenschonung im Hinblick auf Umweltverschmutzung und als Konsequenz zu meinem sonstigen Verhalten bezüglich Umweltschutz. 

Ich sehe bereits vorhandenes als Antwort auf Konsum. Damit setzte ich mich stark auseinander. Ich stufe vorhandenes und gegebenes als notwendige Ressource ein. Mein Umgang, meine Antwort, also diese selbst auferlegte Aufgabe, aus vorhandenen Ressourcen zufriedenstellende Arbeiten zu bekommen, dass reizt mich sehr. Um immer die gleiche Kraft zu erzeugen, ohne Kompromiss, wie bei freier Wahl der Ressource, nutze ich und setze ich voll und ganz auf die Gabe und Urkraft der Kreativität. Denn diese macht alles Möglich aus meiner Sicht. 

Ich kombiniere jede Farbe mit jeder beliebigen anderen Farbe. Hierbei nutze ich zudem das ganze Spektrum der Farben. Von Gelb einmal ganz rum um den Farbkreis und wieder zum Gelb zurück. Dies schult nicht nur das Auge im Umgang mit Farbe, sondern es schult auch den Geist im erspühren der Farbe. So empfinde ich es zumindest. Jede Farbe mit jeder beliebigen anderen Farbe, mittels passender Form zu verknüpfen, dort forsche ich u.a.. Mittels öffnen hin zu einem breiten Farbspektrum bei jedem Bild, sprich keinem gezielten Weglassens von Farbtönen, entsteht beim suchen und forschen für mich trotzdem immer eine Möglichkeit, ein spannendes Gleichgewicht zu erzeugen. Viele Farbtöne in raschem Wechsel machen es mir möglich keine Abstriche oder Kompromisse zu machen um das gewünschte Ziel zu erreichen. Bei welchem ich das gleich gute Ergebnis von mir verlange wie bei unbegrenzten Mitteln. 

Dieser Hürde stelle ich mich um den Beweis zu erbringen, dass dies sowohl in der Kunst, als auch überall sonst möglich ist. Nämlich dass die Kraft der Kreativität immer ein gleich gute Lösung schafft, mittels kreativem, alternativem Weg, zu jedem bestehenden Weg und somit jede Situation auch eine zweite, genau so gute Möglichkeit in sich birgt, dank eben der Kreativität ermöglicht.

Als ein weiterer, grosser und essentieller Punkt fließt bei mir der Aspekt des Zufalls in die Arbeit mit ein. Einer von zwei bereit stehenden Behältern enthält Farbe, der andere ist leer und zum versorgen der gebrauchten Farbe gedacht. Ich nutze eine nach der anderen Farbe, ohne Einfluss zu nehmen auf die Reihenfolge der Wahllos ergriffenen Farben. Intuitiv reagiere ich auf die willkürlich ergriffenen Farben. Das ganze System wiederholt sich bis das Bild komplett mit Farbe bemalt ist. 

Das Reagieren mittels schnellem Abwägen auf das Gegebene, ist für mich eine nie endende Farbübung, um den erwähnten Klang der Farbe in verschiedene Formen zu giessen und diese so zusammen zu harmonisieren. Dies ist der spannendste Moment für mich und er trägt am meisten bei zum Entstandenen auf der Leinwand.

Durch meine Erfahrung im Bau von Skulpturen habe ich mit der Zeit begonnen meinen Maluntergründen, meinen selbst gebauten Leinwänden, Formen zu geben. Ich erachte es als bereichernd, durch die äussere Form der Leinwand, eine zusätzliche Spannung zur der bemalten Fläche zu erzeugen. Hierbei hebt sich im Idealfall weder die Form noch die Fläche von anderen ab. Sie korespondieren zusammen und bereichern so das geschehen.

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Skulptur

Meine Skulpturen entstehen aus gefundenen oder im laufe der Jahre wild zusammengetragenen Alltagsgegenständen. Manchmal kaufe ich auch gezielt spannende Objekte in Brockenstuben. Liebend gerne suche und stöbere ich in diesen nach Unikaten die mir wohlwollend ins Auge stechen. Auch weil ich immer mit offenen Augen auf der Strasse Ausschau haltend suche und so Unglaubliches finde, hat sich ein grosser Fundus an Ausgangs und Rohobjekten angesammelt.

Im Prinzip mache ich aus gebrauchtem, weggeworfenem, oder anders gesagt, aus dem Abfall unserer Gesellschaft Kunst. Ich versuche moderne Artefakte unserer Gesellschaft zu erschaffen und dabei zu mahnen, mit offenem und konsequentem Geist, auch die Kunst als Resourcen verbrauchenden Teil dieser wahr zu nehmen.

Ich arbeite mit dem Material welches vorhanden ist, welches gegeben ist. Man könnte auch sagen der Aspekt des Recycling fliesst durch meine Arbeiten in das Kunstschaffen mit ein. Ich bin ein moderner Nomade der seine Umwelt zu Kunst macht. 

Das Reagieren auf etwas Gegebenes, die Idee nutzend und damit den kreativen Prozess weckend, der jedem kreativen Schaffen eigen ist und somit jedem Künstler dient und eigentlich jedem Menschen gegeben ist, dass ist für mich die Essenz, welcher ich mich bediene. Dies ist sowohl mein Ausgangspunkt als auch die Kern Aussage meiner Arbeiten. Alswohl bei meinen Skulpturen, wie auch beim Malen. 

Der Wegwerfgesellschaft steht quasi die kreative Gabe des Künstlers gegenüber. Diese Art und Weise, die Wiederbelebung von wertlosem, weggeworfenem hin zur Skulptur, hin zum Kunstvollen, durch die Kraft der Kreativität, darf bei genauem Nachdenken, gerne auch als Chance für viele andere Lebensbereiche gesehen werden. Von mir mittels Kunst vor Augen geführt. Gerne als Animation, sowie zum Nachdenken und zum Handeln, für jeden Selbst gedacht und auffordernd. 

Wie bei der Malerei, ist auch bei der Skulptur, als auch in jedem anderen Lebensbreich, das nutzen der kreativität eine Chance zur Lösungsfindung, welche viele Komponenten vereinen kann ohne kompromisslos resourcen zu verschwenden, zum Beipiel.

Ich denke damit bin ich am Puls der Zeit. Sieht man zum Beispiel die ganzen Probleme wie Umweltverschmutzung und den daraus folgenden Klimawandel geschehen. Spielen hier nicht wunderbar, die uns Menschen und speziell dem Künstler von je her gegebenen, kreativen und intelligenten Fähigkeiten, eine wichtige Rolle und geben diese nicht immer eine alternative Möglichkeit vor? Ich denke ja und ich versuche dies aufzuzeigen mit meinen Skulpturen. 

Ich sage, eine grosse, grundsätzlichste Essenz der Kreativität ist die Beseitigung von Misständen, wie auch die Verbesserung von gutem zu noch besserem. Eigentlich ist die schöpferische Gabe ein Grundlement der Evolution. Sie ist eine Weg zur Lösung von Problemen und sie ist auch eine grosse Hilfe beim Entdecken von neuem. Genau so bei der Malerei, wie bei der Skulptur und wie wie bei jeder anderen Kunstform auch der Ursprung vom geschehen.

Diese Kraft der Kreativität, darf als Antwort, muss als Antwort genutzt werden, bei offensichtlichen Missständen. An diese grosse Chance für uns als Gesellschaft will ich erinnern mit meinen skulpturalen Arbeiten. Spielerisch siedle ich den inhaltlichen Kern meiner Arbeit dort an, daran will ich erinnern mit meinen Skulpturen. 

Losgelöst davon darf jede Skulptur ein eigenes Thema haben und einen ihr eigenen Aspekt des Lebens ansprechen. Dies ist sogar Ihre Hauptaufgabe im direkten Kontakt mit dem Betrachter. Diese Aussage darf leicht oder schwer sein, etwas sagen oder auch „nur“ gefallen. Die Aussage jeder Skulptur hängt immer davon ab was als Ausgangsobjekt vorhanden ist und von der Idee die dazu kommt.

Bildskulptur

Meine „Recyclingkunst“ diese Kunst der Wiederbelebung nutzt die kreative Gabe des Künstlers zum Erschaffen von Kunstvollem aus Weggeworfenem. Als Mensch ist mir diese Form des Arbeitens als Reaktion auf die Wegwerfgesellschaft ein Anliegen und Konsequenz zu meinem Privatleben. Denn ich, der Mensch und Künstler in einem, kann nicht losgelöst von der Person die ich bin, Kunst machen. Nur im Einklang von sich und Kunst entsteht ehrliches, eigenes und für mich Wertvolles. Dies ist mir wichtig.

Die Vermischung von Bild und Skulptur ist bei mir gang und gebe und aus meiner Sicht meine Eigenheit. Diese Objekte, Bilder oder Skulpturen oder eben wie ich sie nenne, Bildskulpturen, sind verschieden bearbeitete und oftmals noch zum Schluss bemalte Werke. Sie zeichnen sich durch ein paar Eigenheiten aus die ich erklären möchte. 

Es gibt zwei Arten von Bildskulpturen in meiner Definition. Die eine Variante ist aufgehängt an die Wand. Die andere Variante steht im Raum. Einmal als klassisches Bild gezeigt, also an die Wand gehängt und einmal als Skulptur gezeigt, also in den Raum gestellt. Beim erarbeiten dieser Mischform zwischen Bild und Skulptur, entstand im laufe der Zeit der Begriff der diese zusammenfasste, eben die Bildskulptur. Diese zwei Varianten von ein und dem selben gibt es. 

Die Grenze zwischen gemaltem Bild und Skulptur löse ich auf mit diesen Arbeiten. In diesen neuen „Stand“ erhoben möchten meine Bildskulpturen die Phantasie des Betrachters anregen, sie ziehen dessen Blick auf sich und erklären sich selbstbewusst als legitim. Dieses riesige Potential versuche ich nach meinen Möglichkeiten auszuschöpfen. Hier empfinde ich Potential, um eine neue Sprache, um meine eigene Sprache zu erzeugen.

Thematisch geht es mir bei meinen Bildskulpturen, wie bei der Malerei und den Skulpturen, wie bei allen meinen Arbeiten, um die Kraft der Kreativität und um das Reagieren mittels der uns gegebenen Kreativität, unterstützt durch Intuition,.Von der Idee hin zum Werk mit Aussage. Alles Zusammenspiel dient dem öffnen der Mysterien im Inneren, zum Ausdruck der inneren Mysterien, in Bild und Skulptur. Ein Spiegelbild unseres Innenlebens und unserer unmittelbaren Umwelt in Gefühle und Bildgeschichten verschmolzen, mit der Sprache die Kunst gennant wird, dies versuche ich.

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(Werdegang/Lebenslauf/Kurzbiografie):  Das Zeichnen war meine bevorzugte Sprache, um im Kindergarten der deutschen Sprache noch nicht mächtig, verstanden zu werden. Talent darin war förderlich um mittels dieser Sprache Anerkennung, Verständnis und Akzeptanz zu bekommen. Später als Jugendlicher, in anderer, ausgeprägter Form, mittels Zeichnen und Sprayen von Graffiti, zwischen 15 bis 25 jährig, in unzähligen bunten Schriftzügen auf Papier und auf Wänden in Basel, wuchs das künstlerische Leben zu einem grossen Teil in mir heran. Anschliessend, während der Ausbildung zum Gestalter an der Schule für Gestaltung Basel, mit Museen in Kontakt kommend und fasziniert von den Bildern im Kunstmuseum Basel und sogleich angezogen von diesen Werken, führte mein Weg hin zum Malen auf Leinwand und zum Eintauchen in die vielseitige Welt der Kunst.

Die Suche nach der zu mir passenden Sprache, der eigenen Form des Ausdrucks, technisch und formal und schliesslich inhaltlich, ist seit je her der grösste Antrieb in mir gewesen. Ich war sehr jung, Anfänger mit Graffiti, da gab es einen Moment als alle im Jugendzentrum einem erfahrenen Sprayer ihre Skizzen zeigten. Ich hatte das Gefühl jeder bemühte sich seine Erwartungen zu erfüllen. Ich dagegen beschloss, einfach das zu machen was mir gefällt. Zu meiner grossen Überraschung war jener nur von meiner Zeichnung wirklich angetan. Dieser Schlüsselmoment, als 15 jähriger, führte dazu, dass ich absolut nie etwas kopiert habe als Graffitikünstler und die Suche nach eigenem Ausdruck für mich eine Selbstverständlichkeit wurde.

Viele Jahre später und Ereignisse welche den Menschen auf seinem Weg durch das Leben prägen, stellte sich mir die gleiche Frage als Kunstschaffender wieder. Diesmal konnte ich, so sehr ich auch wollte, diese kritisierende Stimme im Kopf nicht zum Schweigen bringen, die mir im Nacken sass und bei jeder Arbeit mitsprach und sagte: Wird das den anderen gefallen? Kannst du das so oder so machen? Diese Massregelung war eine Geisel und sie hatte sich bei mir eingeschlichen auf meinem Lebensweg. Dieses Quäntchen Kontrolle, das mich nicht von der Leine frei liess, was ich als quälend und bremsend empfand, konnte es nicht sein. 

Nur die absolute freie, innere und sichere Wahl der Antwort in jedem Handeln und auf jede beliebige Frage ergibt spezifische, eigene, schlicht die wertvollsten Ergebnisse. Alles muss total losgelöst von hierarchischer Wertung sein, um sich der Grenze des wirklich Wertvollen anzunähern. Nicht anders in der Kunst.

Skulptur als Loslöser von Zwängen: Wie es der Zufall wollte, fing ich eines Tages an, Dinge, oft kleine Alltagsgegenstände, in meine Bilder zu kleben. Und wie ich sage: fielen diese Objekte irgendwann aus den Bildern zu Boden und ich machte „rein“ Skulpturen daraus. Beim Machen der Skulpturen kam plötzlich die verloren geglaubte Sicherheit wieder, welche ich beim Malen nie so empfunden hatte, wie es damals beim Machen von Graffiti der Fall gewesen war. Die Skulpturen jedoch flossen wie Wasser aus mir. Und wie es mein Wesenszug ist, folgte ich uneingeschränkt dem Weg der sich mir öffnete. Einige Jahre habe ich so ganz unerwartet nur noch Skulpturen gemacht. Hunderte Arbeiten sind entstanden. In dieser „Zeit der Skulpturen“ überwand ich gefühlt diese komische Form der Selbstkontrolle, dieser Selbstkasteiung. 

Eines Tages entstand auch wieder der Wunsch zu malen. Aber wo war ich als Maler? Ich setzte dort an, wo ich vor Jahren aufgehört hatte. Zweifel machten sich jedoch bald wieder breit. Die Malerei war und ist für mich die herausfordernste Kunstform. Der Anspruch, verglichen mit dem Ergebnis, liessen mich als Maler wieder schnell zweifeln, ob ich in der Lage bin ein Bild zu malen, das mir gefällt. Nach Möglichkeiten suchen, welche es mir einfach machen würden, das will und wollte ich nie. Welch Glück für mich, hatte ich während dem Malen eines Portrait-Bildes, diesen speziellen malerischen Moment, mit der wichtigen Erkenntnis, ganz auf die innere Stimme zu hören. Darüber hinaus entdeckte ich eine Form der flachen Malweise, wie ich es nenne, wobei sich alles, grob gesagt, auf einer flachen Ebene abspielt. Was, wie ich später bemerkte, der erste Schritt hin zur abstrakten Malerei war. Jedoch viel wichtiger, folgte ich nur dem Gefühl und liess mich gänzlich davon leiten. 

Eigentlich befolgte ich einfach und tat schlicht das, was zu tun war. Etwas erschrocken vom Geschehenen und es brauchte einige Zeit um diesen Prozess zu verinnerlichen, aber ich habe es mittlerweile geschafft, ist dies nun meine Vorgehensweise. Intuition und Verstand in Einklang bringen, um so die kreative Energie malerisch zu Tage zu bringen. Beim Machen von Skulpturen bin ich mehrheitlich so vorgegangen ohne es zu realisieren und diese Art und Weise hatte sich in mir verinnerlicht und öffnete mir nun die Tür, dies immer mehr auf die Malerei umzumünzen. Um so mehr als das intuitive Malen in der Abstraktion etwas fand, das diesem wunderbar in die Hände spielte. Von da an empfinde ich bei meiner Malerei grosse Schritte in meine ganz eigenen Richtung. 

Beim Abstrakten, im Gegensatz zum Figurativen, welches ich bis auf wenige Ausnahmen aufgeben habe, bietet sich mir die Möglichkeit dem Gefühl uneingeschränkt zu folgen. Dies liegt mir, hierbei kann ich ganz in der Malerei aufgehen und alle meine Fähigkeiten einbringen. Wie zum Beispiel die Zeichnerischen denn zu meinem Glück verfüge ich technisch über eine gute Kontrolle des Mediums welches ich verwende, dank motorischen Fähigkeiten, welche ich in jahrelangem Zeichnen erworben habe. Dazu bin ich dabei diese spannenden Prozesse zu Papier zu bringen. Text hilft mir diese Prozesse zu beleuchten die bei mir künstlerisch passieren und passiert sind. 

Eigenschaften von Gefühlen: In allem ist etwas Bestimmtes, so auch in der abstrakten Gefühlsmalerei oder anders im abstrakten Expressionismus, wie ich meinen Stil bezeichne. Gefühle ausgedrückt in Form und Farbe lassen sich abgesehen davon, ob figurativ oder abstrakt gezeigt, erstens schwer und zweitens nie losgelöst von den ihnen eigenen Eigenschaften zeigen. Schliesslich sind Gefühle gegeben und beruhen auf sehr komplexen Zusammenhängen. Sie prägen das Leben und machen den Menschen einzigartig im Empfinden jener. Schnittstelle sind sie zwischen innen und aussen. Gefühle sind auch ein Antrieb des Daseins. Ein Karussell des Inneren, manchmal nahe am Chaos, aber auch die Ordnung gebend. Arbeit erfordernd und anspruchsvoll, sowie leicht, atmend und Ruhe gebend, je nachdem, wie man es möchte oder kann. Um unsere Gefühlswelten abstrakt und frei wiederzugeben, zu malen, benötigt es Erfahrung, Übung und eine Technik, welche bei der Umsetzung nicht im Weg steht, dies ist hilfreich, ja sogar essentiell.

In der intuitiven Malweise kommen die Gefühle immer mit in ein Bild. Die Eingebung, das Gefühlsgerüst, die Stimmung, der Moment, die Entscheidung. Spannende Situationen die ein Jonglieren mit dem Herzen, dem Verstand und dem öffnen für die umgebenden sichtbaren und unsichtbaren Dinge mit sich bringen, so empfinde ich Malerei.

Eigenschaften von Farben: Ein weiterer spannender Punkt in der abstrakten Malerei sind die Eigenschaften von Farben. Farben haben in der Natur oft einen Nutzen. Sie signalisieren der Umgebung, mehr oder weniger deutlich, oft auch intuitiv und auch auf unser Unterbewusstes zielend, es sei Vorsicht geboten oder aber sie locken an, bieten etwas an. Ein Rot kann beide Funktionen haben. Siehe den Fliegenpilz, (man beachte jedoch die weissen Punkte) oder einen roten Apfel (man beachte hier die sinnliche Form). Hier mischt sich Erfahrung, Instinkt, Intuition und natürlich Gelerntes und lässt uns so die Farbe deuten und verstehen. 

In kurzen Sätzen der Farbe und ihrer Vielfalt gerecht zu werden, ist unmöglich. Deshalb nur dieses Beispiel, das die Komplexität aufzeigt und unterstreicht, was alles Einfluss nimmt auf die intuitive, abstrakte Malerei. Die intuitive Herangehensweise lässt bei all den Gegebenheiten noch Platz für die spontane Reaktion. Damit arbeite ich. Meiner Meinung nach ist die Intuition dem Verstand im Verarbeiten dieser Vielzahl von Informationen überlegen. Diese spannende Zusammenkunft der verschiedenen Farben, mitsamt ihren Eigenschaften, ihre Herkunft, entweder betonend oder losgelöst von ihrer Herkunft, zu erfassen und zu spannendem Zusammenspiel, zur Komposition, zu neuen Definitionen, also zum gemalten Bild zu bringen, hier versuche ich mich.

Verstand und Logik dominieren: In der heutigen Epoche, der jetzigen Zeit, ist die Tugend der Gefühle nicht gefragt. Die Menschheit setzt als Antwort auf jede Frage, die Kraft des Intellektes. Mathematisches, ergebnisorientiertes, messbares und geregeltes Denken prägt praktisch jede Form unserer Gesellschaft. Diese Form des geregelten Denkens bietet eine Absicherung der eigenen Handlungen. Ich kann mich auf Regeln berufen und somit mein Handeln nach dieser gegebenen Form legitimieren. Die Eigenverantwortung wird peaux a peaux abgegeben und von diesen Regelformen überschattet. Dies empfinde ich als ein dunkles Zeitphänomen. Welches enorme, negative Auswirkungen hat auf viele Lebensbereiche, nicht zuletzt auf die Kunst. Für mich ein Grund, um so mehr dem inneren Wort und dem Gefühl zu folgen, als Gegenpunkt zu diesem so von mir empfundenen Zeitgeschehen. Ich fordere auch jeden auf, sich zu überdenken und sich die Frage zu stellen: Werde ich mir gerecht, der Gänze meines Menschseins, übernehme ich moralische Verantwortung gegenüber dem grossen Ganzen, was bin ich und wie möchte ich sein in der Welt. Für einen Künstler ist die Frage der Moral und der Umgang damit wichtiger als der Erfolg seines Werkes bei seinen Mitmenschen. Die Moral bestimmt meine ersten Schritte als Mensch und als Künstler. 

Ich denke deshalb viel nach, werden wir dem was wir sind, nämlich die Menschheit, gerecht? Wenn wir uns unsere Möglichkeiten anschauen und wenn wir das Ergebnis mit der heutigen Welt und deren Zustand vergleichen, behaupte ich, eher nein. Im Gegenteil, wir leben eine primitive Form unseres Wesens. Siehe Rassismus, Umweltverschmutzung, Drogen und Alkoholkonsum, Vereinsamung, Entfremdung von sich selbst, Kompensation durch Konsum, Verlust von Eigenständigkeit oder auch, schlicht gesagt, es gibt zu viel „Nonsens“, also Unsinniges, das unseren Alltag prägt. Sprich, unbedachtes, einem zu klugem, einem zum denken fähigen menschlichen Wesen unwürdiges Verhalten. Die Welt ist an einem sehr kritischen Punkt, so gesehen. Eventuell auch in der Kunst und inwiefern sind diese Mechanismen in der Malerei angekommen, das frage ich mich?

Deshalb setze ich als Mensch und als Maler und Macher von Skulpturen, diesem von mir so empfundenen negativen Phänomen, die pure Lebensfreude als Antwort entgegen. Das Öffnen dem Inneren, der Farbe und Form freien Raum gebend, ohne Rücksicht auf irgendwelche Trends oder Marktregeln der heutigen Zeit, weil von mir so als Notwendigkeit empfunden.

Kunst als Multiplizierung des Negativen:  Eine kritisierende Antwort auf negative Zeitphänomene, welche ich oft bei Künstlern sehe, ist für mich nur eine Multiplizierung und Eingliederung in die negativen Tendenzen. Durch die künstlerische Kritik an Mängeln und das Thematisieren dieser, werden diese Themen oft nur multipliziert. Diese Art der Kritik darf natürlich vorkommen und von Künstlern genutzt werden, jedoch wird sie zu oft und zu plakativ verwendet, meiner Meinung nach. Dieser Form von kritischer Kunst wird Raum dort gegeben, wo Raum sein sollte für freie Kunst. Losgelöst davon sollte Kunst dastehen und Dinge offener lassen, weniger dem Verstand und mehr dem Gefühl zuträglich sein. Stattdessen ist sie oft nur intellektueller Journalismus auf Negatives.

Wenn diese Gesellschaftskritik mit einer Prise Humor geschieht, gefällt es mir persönlich besser. Ich frage mich jedoch, ob bildende Kunst diese Aufgabe heute überhaupt so intensiv hat, wie ich es beobachte. Und nicht vielmehr Satire oder Journalismus. Vor allem in unserem friedlichen Kulturkreis. Heutzutage ist meiner Meinung nach die Aufgabe der Kunst (hier beziehe ich mich auf unsere Region, die Schweiz), sich davon zu lösen und positive Impulse zu setzen und sich nicht am gleichen Tisch mit den Machern dieser schlimmen Dinge zu streiten. Sondern es einfach so zu machen, wie es freiwillig gewählt ist, unbeeinflusst von diesen negativen Tendenzen, mit dem Ziel, nicht eine weitere Plattform zu geben als unterbewusste Werbung für diese Welt. Diese so eigentlich akzeptierend, denn durch diese „erzwungene“ Kritik legitimiert und etabliert man das negative Tun und bestärkt es, indem man diesem nur noch eine Plattform mehr gibt. 

Nichts desto trotz soll Kunst aufmerksam machen und auch kritisieren dürfen, im speziellen Misstände unseren Alltag betreffend, wie ich finde. An diesem Punkt ist für mich der Betrachter gefragt, der solche Kritik legitimieren oder in Frage stellen kann, um zu verhindern, dass diese genutzt wird, um fehlenden Inhalt im künstlerischen Sinn zu verschleiern. Jede ehrliche Aussage, ob positiv oder negativ ist im Grunde erlaubt, nur darf sie nicht als Mittel zum Zweck verwendet werden, was zu oft unbedacht geschieht, um den fehlenden Kern in Arbeiten zu verhüllen.

Mutig beiseite schiebend, setze ich dem, Positivität in künstlerischen Arbeiten und Malen nach Herzenslust entgegen. Wirken im ehrlichen Dialog mit sich selbst. Dazu möchte ich mit meinen Bildern und Skulpturen auch auffordern. Zur Lebensfreude, zum Guten, zum Weg des Glücks, der dem Menschen frei offen steht von Mutter Natur. Ich denke, nur so lässt sich wirklich vielen negativen Trends entgegenwirken. Bedachtes, authentisches Handeln ist nötig, um im Wirken/Malen, eine eigene, kreative und kunstvolle, sowie zeitgemässe Aussage zu bekommen. Das ist auch ein Kern meiner künstlerischen Aussage und daran arbeite ich.

„Um Negatives zu wandeln, 

positives erschaffen.“

Zum Entdecken der eigenen Vielseitigkeit animieren, dies mit der Kunst innewohnenden Macht und den vielen Möglichkeiten ihrer individuellen Ausdrucksformen. Dem Inneren äussere Formen geben, diese sichtbar machen, Gefühle des Einzelnen sichtbar machen und diese somit als gemeinsame Empfindung sichtbar zu haben. Der Versuch Energie und Kraft in meinen Arbeiten freien Lauf zu lassen, mit der Hoffnung in der Begegnung mit dem Gegenüber einen Impuls zu setzen, um so bestenfalls, positive Kraft und Wirkung zu erzeugen. Das wäre mehr als ich mir erhoffen kann, darüber wäre ich froh und dankbar. Darum bitte ich Sie, lassen Sie sich auf meine Arbeiten ein und nehmen Sie, wenn es geht, etwas mit das Sie für eine Sekunde beflügelt. Dies ist das, was ich über die Ausdrucksform der Kunst geben kann und will.

Igor Korol

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(Fotografien © Daniel Bossart)

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